Starnberg Ammersee

Im Schein der Sterne

Frühjahr—Herbst 2021

Die Entwicklung der Menschheit ist seit Jahrtausenden fest mit der Himmelsbeobachtung verwoben. Der Raum über allem Irdischen ist er seit jeher Projektionsfläche für Welterklärungsmodelle. Im Nachthimmel erschienen schon frühen Zivilisationen Sternbilder. Priester deuteten aus ihm göttliche Weltarchitekturen, Philosophen und Wissenschaftler die Ordnung oder Unordnung des Universums und Künstler die gespiegelte Empfindsamkeit der menschlichen Seele. Der Nachthimmel war Austragungsort göttlicher Schlachten und Anlass jahrhundertelanger philosophischer Streits. Irdischer Herrschaftsanspruch begründet sich seit Jahrtausenden auch in der Deutungshoheit über den himmlischen Raum. Neben der politischen und transzendentalen Bedeutung ist der Sternenhimmel eines der ältesten Forschungsfelder der Menschheit. Er ist maßgeblich für die Zivilisation, für die Entwicklung der Landwirtschaft, für die Navigation und die Siedlungsgeschichte.

Und was bedeutet der Sternenhimmel heute: In einer Zeit, in der die globale Kommunikation über Satelliten durch den Himmelsraum geführt wird – beiläufig und in Echtzeit? In einer Zeit, in der der Flug zu anderen Planeten ein Projekt privater Investoren ist? In einer Zeit, in der das Gleichgewicht der Erde zusehends aus dem Lot gerät?

Das Zentrum der Ausstellung im Museum Starnberger See ist eine kulturhistorische Betrachtung der Deutung und Bedeutung des Himmelsraums aus der Perspektive des menschlichen Beobachters. In Übersichtskapiteln werden Forschungsergebnisse, Einordnungen und Originalexponate zusammengefasst. Dabei wird die Ausstellung keine Wissenschaftsschau, sondern eine niederschwellige Einleitung in ein umfassendes Thema. Regionale Anknüpfungspunkte sind dabei besonders herausgestellt, um die lokale Verortung zu fördern.

Als Erweiterung der historischen Betrachtung sind zeitgenössische Künstler*innen eingeladen, die in ihren Werken das Thema aufzugreifen, paraphrasieren und neu interpretieren. Die Kunstwerke und Installationen stehen in einer Tradition der künstlerischen Deutung des Himmelsraums, die geprägt ist vom Spannungsfeld zwischen Erstaunen, Erkenntnis und Erfindung, zwischen bewahrender Ordnung und schwindelnder Dynamik, zwischen Naturwissenschaft und Metaphysik.

Teilnehmende Künstler*innen: Björn Dahlem, Mischa Kuball, Katarína Poliačiková, Johanna Reich, Susanne Rottenbacher, Michael Sailstorfer und Brigitte Waldach

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